Call for Papers

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Sprache, Wissen, Medien
Tagung der DGPuK‐Fachgruppe
Mediensprache – Mediendiskurse

Karlsruher Institut für Technologie, Institut für Germanistik: Literatur, Sprache, Medien/Abteilung Wissenschaftskommunikation, 16.‐18.2.2017

Wer über Sprache und Medien nachdenkt, hat es nicht mehr weit zum Wissen und seiner Vermittlung: Es stellt sich die Frage, ob und in welcher Form Wissen medial und sprachlich vermittelt wird und welche Rolle die medial verwendete Sprache dabei spielt.
Wie Wissensgegenstände durch Versprachlichung erst konstituiert oder erschließbar werden, hat als Forschungsgegenstand eine lange Tradition. Die Frage kommt im medialen Kontext aber immer wieder neu auf die Tagesordnung:

  • durch Wandlungen im Berufsfeld der Wissens-Kommunikatoren (Wissenschaftsjournalismus, Wissenschafts-PR, Wissenschaftsblogs, etc.),
  • durch den Medienwandel (der neue Formen von Mündlichkeit, Schriftlichkeit, Bildlichkeit sowie der Interaktion und Multimodalität oder des Zusammenspiels von Texten und audiovisuellen Einheiten hervorbringt),
  • durch Veränderungen in wissensnahen gesellschaftlichen Teilsystemen (z.B. eine verstärkte 
Hinwendung zu Partizipation und Bürgerbeteiligung in der Wissensgenerierung),
  • durch Veränderungen in der öffentlichen Meinung in Bezug auf Wissen und Wissenschaft durch neue Produkte und Formate, etwa Serious Games oder Science Slams und
  • durch Schließung von Forschungslücken auch in Bezug auf traditionellere Medien wie etwa Lehrbuch oder Zeitschrift.

Konstitution von und Bezugnahme auf Wissen findet sich auch in medialen Produkten und Diskursen, die nicht explizit das Etikett „Wissenschafts-…“ tragen: Debatten über Flüchtlinge und Migration z. B. enthalten häufig Referenzen zu tatsächlichen oder geglaubten Forschungsergebnissen, Statistiken oder auch vermuteten Wissensbeständen, die als Evidenz (im Sinne einer Begründung oder einfach nur Veranschaulichung) herangezogen werden. Der Umgang mit dem, aber auch die Distanz zum Wissen schiebt sich daher auch als aktueller medialer Diskurs auf die Agenda der Forschung: Während einerseits eine Wissensexplosion diagnostiziert werden kann, finden sich andererseits sowohl Überforderungsdiagnosen wie auch Echokammern, die sich dem Jargon des Anti-Wissens oder der Anti-Wissenschaftlichkeit widmen. Verschärfend wirkt, dass auch der Umgang mit Nicht-Wissen, ungesichertem Wissen und Wissenslücken zum Medienalltag gehört. Flankiert wird dies durch den aktuellen Medienwandel, der neue Formen der Mündlichkeit, Schriftlichkeit, Interaktion und Multimodalität, des Zusammenspiels von Bildlichkeit und Schriftlichkeit, etc. hervorbringt.
Ziel der Tagung soll es sein, diese Beobachtungen und Phänomene aus linguistischer und kommunikations- und medienwissenschaftlicher Perspektive zu beleuchten:
Wie wird Wissen medial und sprachlich konstruiert oder konstituiert

  • im aktuellen Medienwandel
  • unter Betrachtung von Veränderungen in der öffentlichen Meinung
  • mittels individueller, organisationaler und gesellschaftlicher Prozesse
  • in Bezug sowohl auf Produzenten, Rezipienten als auch auf Medienprodukte?

Fragestellungen reichen von der Wissenskonstitution in klassischen wie auch in neuen multimodalen Medienprodukten über sprachliche Phänomene rund um die Präsentation von Wissen etwa in Science Slams oder für spezielle Zielgruppen wie Kinder und Jugendliche, die Analyse der Bedeutung wissenschaftlichen Wissens in audiovisuellen Angeboten bis hin zur Auseinandersetzung mit der Rezeption von medialen Wissensangeboten aller Art.

Erwünschte Beiträge für die Tagung sind deshalb beispielsweise:

  • Überlegungen, aber auch empirische Befunde zum theoretisch-begrifflichen Hintergrund des Tagungsthemas: Wie hängen Sprache und Wissen zusammen (hier sind auch kognitionswissenschaftliche Perspektiven denkbar)? Wie hängen Sprache, Medien und Wissen zusammen? Welche epistemische Rolle spielt die Sprache in der medialen Wissensvermittlung?
  • Wissenskonstitution oder -konstruktion in der medialen Interaktion, etwa Wissens-Aushandlungsprozesse in Twitter-Interaktionen als Form des schriftlichen Gesprächs
  • Analysen und Fallstudien, die Wissensvermittlung in medialen Produkten untersuchen und dabei auch aktuelle Vermittlungsformen und -formate in den Fokus nehmen können (z.B. Scrollytelling, data driven storytelling, Apps, Serious Games etc.)
  • Sprachliche Strategien der Wissenspräsentation und -vermittlung für bestimmte Zielgruppen oder in bestimmten kommunikativen Zusammenhängen (z.B. Wissenspräsenta- tion in Leichter Sprache, Phraseologie/Idiomatik/Metaphorik in der Wissensvermittlung, Narration etc.)

Willkommen sind Vorschläge für verschiedene Formate:

  • Tagungsvortrag (20 Minuten)
  • Panel (90–120 Minuten mit 2–4 Vorträgen oder Impulsreferaten zum gleichen Oberthema, das aus unterschiedlichen Perspektiven diskutiert wird)
  • Workshop (Dialog zu Work in Progress mit etwa 10 Minuten Input und 20–30 Minuten 
Diskussion)
  • Poster

Nachwuchsworkshop

Vor der Tagung wird ein Nachwuchsworkshop stattfinden, zu dem gesondert eingeladen wird.

Wir bitten Sie, Ihren Vorschlag per Mail in Form eines Extended Abstract (4000–6000 Zeichen) plus ggf. Anhang (Abbildungen, Tabellen) bis zum 15. November 2016 einzureichen.

Bitte senden Sie Ihren Beitrag in elektronischer Form (*.doc, *.docx, *.rtf, kein pdf!) an den Fachgruppensprecher Thomas Schröder (thomas.schroeder@uibk.ac.at) und an die Tagungsveranstalterin Annette Leßmöllmann (annette.lessmoellmann@kit.edu).

Der eingereichte Beitrag darf in dieser Form nicht bereits in einer Verlagspublikation veröffentlicht oder auf einer wissenschaftlichen deutschsprachigen Tagung präsentiert worden sein. Allerdings sind durchaus Beiträge möglich, die einen methodischen Aspekt aus einer bereits publizierten oder präsentierten Studie herausgreifen, wenn dieser Aspekt nicht Hauptgegenstand der Publikation oder Präsentation war. Soll eine empirische Studie vorgestellt werden, so muss aus dem Abstract klar hervorgehen, ob es sich a) um eigene Daten handelt und b) in welchem Stadium sich die Studie gegenwä̈ rtig befindet (Plänung, in der Durchführung, in der Auswertung, äbgeschlossen).
Die Vorschläge werden in einem anonymisierten Review‐Verfahren begutachtet. Deshalb bitten wir, die Abstracts mit einem abnehmbaren Deckblatt, auf welchem der Beitragstitel sowie Name und Adresse der Einreichenden verzeichnet sind, zu versehen. Die Abstracts sollen neben einer Inhaltsangabe des Vortrags den Bezug zum Tagungsthema sowie die Relevanz und Originalität der Fragestellung verdeutlichen. An diesen Aspekten werden sich auch die Reviewer_innen orientieren. Die Tagungsleitung behält sich zudem vor, auch die Gesamtkonzeption der Tagung bei der Auswahl der Beiträge zu berücksichtigen, unter Umständen ein ‚Offenes Pänel‘ einzurichten sowie einzelne Kolleginnen und Kollegen mit der Bitte um Beiträge anzusprechen.

Die Tagung wird am Donnerstagabend, den 16. Februar 2017 mit einem Get together beginnen und am Samstagmittag gegen 14 Uhr enden.

Angäben zum Veranstaltungsort, Unterkünften etc. werden rechtzeitig in der Einladung und auf der Website zur Tagung bekannt gegeben.